"AUDIO-VIDEO-ART"


GRZEGORZ G. ZGRAJA, geb. 15. April 1952 in Gliwice/Polen. 1973 bis 1978 Studium an der Akademie für Bildende Künste in Kraköw, Fakultät für Grafik in Katowice und 1987 bis 1989 an der Hochschule für Bildende Künste (HBK) Braunschweig. Mitbegründer der Künstlergruppe "Laboratorium TP". Stipendial des Ministeriums für Kultur und Kunst in Polen. Künstlerischer Mitarbeiter an der HBK Braunschweig. Seit 1988 lebt und wirkt er in der Bundesrepublik Deutschland.


Einzelausstellungen und Videopräsentationen:
1993 "Videobilder", Kunstzentrum "Kronika", Bytom

1987 "Frühstück im Freien", Videoperformance, HBK Braunschweig

1985 "Farbe in der Kunst", Performance, Lodz

1984 "Audio - Video - Art", audiovisuelle Vorführung, Galerie "6", Gliwice "Unmittelbare Videoübertragung des Sonnenaufganges", Videoperformance, Gliwice-Zerniki

1983 "Compatybilum IV", audiovisueller Auftritt, Galerie "6", Gliwice

1980 "Musikalische Grafik - grafische Musik", Wroclawska Galeria Fotografii, Wroctaw

1979 "Quartett für zwei Vortragende und Videoapparatur", Warschauer Herbst, Warszawa

Ausstellungs- und Symposienbeteiligungen (Auswahl):

1997 WRO-Festival "IKARUS III"

1997 Zielona Gora Festiwal Muzyczny "IKARUS IV"

1985 Videopräsentation, UNESCO-Weltkongress, Rio de Janelro
"Festival Nichtkommerzieller Videokunst '85", Lodz

1984 Symposium "Intellektuelle Strömungen in der polnischen Moderne", BWA, Lublin

1981 "Schöpferische Einstellungen 81',
Erster Preis für Grafik, Katowice
"70 - 80, Neue Erscheinungen in der Kunst der 70er Jahre", Sopot

1980 "Neue Technologien - Neue künstlerische Ideen", Galerien des ZPAF (Polnischer Verband der Kunstfotografiker)
1979 "Polnische Fotografie 1939 - 1979", International Center of Photography, New York
"Fixierte Zeit - Wiedergewonnene Zeit", BWA Arsenal Poznan, und BWA Lodz

1978 "1 am" Internationales Künstiertreffen, Galerie Remont, Warszawa

Internationale Grafik-Biennale "Grafik - Methoden - Stellungen - Tendenzen", Krakow Polnische Landes-Biennale der Jungen Kunst", Sopot
"Andere Medien", Teatr - Studio - Galerie, Warszawa

1977 "Ausstellung und Videopräsentation des "Laboratorium TP", Galerie "Maly Rynek", Krakow
Symposium "Extreme der Fotografie", Galerie des ZPAF, Katowice
Symposium "Fotografie - ein Medium der Kunst", Wrociaw
Ausstellung "CDN", Warszawa

1976 IV Landessymposium für Fotografie - "Fotografie außerhalb der Galerie", Uniejow



In Katowice entstand in den 70er Jahren das Laboratorium der Vorstellungstechniken (Wissenschaftlicher Zirkel der Graphiker der Akademie für Bildende Kunst - Krakau). Grzegorz Zgraja begann mit den praktischen Möglichkeiten einer neuen Synthese der Künste zu experimentieren. Vor allem mit der Synthese des Bildes und der Musik. (...) Das Problem beruhte darin, daß das gewählte photographische Bild, zB. des Gesichtes eines Mädchens, zu "strichartigen" ,Flächen reduziert wurde (Graphisieren des Photos) und als graphische Unterlage für die musikalische, eng auf dem vom Photo kommenden Schema beruhende Komposition fungierte. Während der Aufführung (des Verlaufes) des musikalischen Werkes, kam es mit Hilfe zahlreicher technischer Mittel zur Koordination zwischen dem musikalischen Ausdruck und seinen plastischen Gegenwerten, die ja die kompositorische Unterlage des musikalichen Werkes waren. Es war insofern wesentlich, da in den 60er und 70er Jahren das Problem der neuen Synthese der Künste auftauchte; Grzegorz Zgraja und sein Bruder, der Musiker Krzysztof Zgraja befassten sich damit außerordentlich eingehend, doch die Basis des Experiments war naturalistisch (die zufällige Einstellung des Photos als Unterlage für den Prozeß der Ubertragung des Bildes auf Musik). (Warschauer Herbst 1979).

Stanislaw Piskor
Fragmente des Artikels "Glasauge" , 1984








(...) Zwar scheint in dem "Quartett für einen Vortragenden und Videoapparatue" mit Krzysztof Zgraja ungeteilte Präsenz gegeben zu sein, doch nur durch ausgeblendete Manipulation am Raum-Zeit-Gefüge. Durch gewisse Eingriffe wird es möglich, daß der abgebildete Musiker mit sich selbst zu spielen vermag, d. h. mit seinen eigenen Monitorabbildern. Eine bestimmte zeitliche Sequenz wird aufgenommen, um darin nach einer kurzen Pause auf einem bereitstehenden Monitor wieder als Abbildung zu erscheinen, so daß der Musiker Krzysztof Zgraja mit sich selbst und dem zuvor gespielten Stück eine neue Sequenz spielen kann. Dies geschieht solange, bis der präsentierte Musiker mit drei seiner Abbilder aufzutreten vermag. Das "Original" des Bildes erscheint mit drei seiner Kopien in einer differentiellen Serialität. Das Original wird damit zur eigenen, der Möglichkeit nach endlos fortsetzbaren Serie von Kopien, die ihn sozusagen multipel, in autonomen Sequenzen konservieren, als wäre er präsent. Damit wird einerseits eines der Prinzipien der modernen Kunst aufgenommen, andererseits dieses Prinzip mit der Videokunst so verbunden, daß die Serialität durch die Dimension der Zeit sozusagen in die illusionäre Tiefe der Oberfläche des technischen Bildes eingeht. Zgraja sagt dann auch: "Ich gehe in die Struktur des Mediums hinein!" Reale, außermediale Präsenz hat damit potentiell die Form einer W i e d e r h o 1 u n g s s t r u k t u r. (...) In der "Transformation" (1978) dehnt sich die Thematik auf den Bildaufbau aus. Die verschiedenen Sequenzen gehen anscheinend in einer progressiven Strukturierung von der abstrakten Malerei, von einem schwarzen Quadrat, aus und verdichten sich in Bild und Musik. Daraus ergibt sich schließlich die Information über das Ausgangsquadrat und die Lesbarkeit der immer freier werdenden Struktur. Diese wird als Raster eines Gesichtes erkennbar, als Reproduktion auf der Basis der Drucktechnik. Durch den Vergleich mit einem abgebildeten realen Gesicht - sozusagen mit dem Original - erreicht Zgraja eine beabsichtigte Tautologie der Bilder. Original und Kopie scheinen nicht unterscheidbar zu sein.

Wenn G. Zgraja Bild und Musik, ästhetische Begriffe, Technologie und Konsumtion (Ethik) mit der Videokunst zu verbinden sucht, dann zeigt dies die Absicht, in bestimmten Grenzen die Gattungsunterschiede unter Künsten und bestimmten Wissensformerl zu überwinden. Weitere Beispiele für diese Überwindung sind die "Musikalischen Grafiken". Mit ihnen wird der Versuch gemacht, bildliche Darstellungen in akustische Folgen zuübertragen. Diese musikalische Organisation ist nach den Prinzipien der sogenannten "Aleatorik" gebildet. Das Lesen der Struktur, verbunden mit dem von ihr abhängigen Einsatz, läßt den Musikern die Freiheit der Improvisation und dem Gehör gleichsam das Bild des Auges.

Dr. Joseph Thomas
Institut für Philosophie/Universität Braunschweig



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